Sercanie in Polen
Polnische Anfänge und Missionsarbeit in Afrika
Vieles deutet darauf hin, dass der erste Herz-Jesu-Priester auf polnischem Boden Pater Leon Dehon, Gründer der Kongregation der Herz-Jesu-Priester, war. Auf seiner Rückreise aus Finnland und Russland machte er 1907 in Warschau Halt.
Der erste Pole trat bereits 1896 in die Kongregation ein: Pater Franciszek Szymański, der nach seiner Priesterweihe 1902 als Missionar nach Brasilien ging. Der zweite Pole war Bruder Kazimierz Zjeżdrzałka, der 1908 eintrat. Nach Noviziat und missionarischer Ausbildung in den Niederlanden ging er in den Belgischen Kongo (heute Demokratische Republik Kongo). Bald kehrte er nach Europa zurück, um eine weitere wichtige Mission zu übernehmen. Auf Dehons Aufruf, Freiwillige für Kamerun zu suchen, ging er erneut nach Afrika.
Zu erwähnen sind auch zwei polnische Herz-Jesu-Priester, die Pater Dehon auf seinem letzten Weg begleiteten und ihm dienten. Pater Władysław Majka betreute ihn am 4. August 1925 bei seiner letzten Messe. Gemeinsam mit Pater Ignacy Stoszka war er am 12. August 1925 beim Tod des ehrwürdigen Dieners Gottes Pater Dehon anwesend.
Seelsorge in der Pfarrei Helsinki – Mission in Finnland
1907 besuchte Pater Dehon Finnland, darunter Helsinki, wo die Herz-Jesu-Priester die Seelsorge übernehmen sollten. Die Pfarrei bestand vor allem aus Italienern und Polen. Letztere waren meist Soldaten der russischen Garnison aus den polnischen Teilungsgebieten, die zwangsweise in die zaristische Armee eingezogen worden waren. Sie waren die größte und ärmste Gläubigengruppe. Für ihre geistlichen Bedürfnisse sandte Pater Dehon zwei Niederländer nach Polen. Nach dem Erlernen der polnischen Sprache sollten sie Helsinki seelsorglich betreuen. Zugleich konnten sie das Charisma der Herz-Jesu-Priester an der Weichsel verbreiten. In Krakau wohnten sie in der Jabłonowskich-Straße bei Pater Mateusz Jeż, dem damaligen Krakauer Katecheten.
Pater Mateusz trug wesentlich zu den Anfängen der polnischen Provinz bei. Dank seiner katechetischen und erzieherischen Arbeit sowie seines persönlichen Einsatzes für Berufungen gingen nach einem halbjährigen Sprachkurs vier junge Kandidaten der Herz-Jesu-Priester zum Studium nach Belgien.
Berufungspastoral und Ausbau der Missionsarbeit
Durch Pater Mateusz Jeż gingen neun junge Männer nach Belgien. Sprachprobleme, Heimweh und schwierige Lebensbedingungen führten dazu, dass nur einer Priester wurde: Pater Kazimierz Wiecheć. Er empfing am 25. Juli 1920 die Priesterweihe und begann in Italien zu arbeiten. Während seiner jährlichen Ferien in Polen warb er intensiv um Berufungen – mit bald reichem Erfolg. In den folgenden acht Jahren gingen 24 Kandidaten fort; zwölf harrten bis zur Priesterweihe aus.
Auf der Suche nach einem Haus an der Weichsel – Anfänge der polnischen Provinz
Am 31. März 1928 kehrte Pater Kazimierz Wiecheć nach mehrjähriger Arbeit in Italien endgültig heim. Seine wichtige Aufgabe war der Aufbau einer neuen Provinz.
Die intensive Standortsuche führte schließlich nach Płaszów in Krakau. Zunächst mietete man ein Haus in der Koszykarska-Straße, dann begann der Bau des Mutterhauses in der Saskastraße. Im Herbst 1931 wurden Kirche und Kloster eingeweiht; bald darauf eröffnete das erste kleine Priesterseminar. Im Eröffnungsjahr meldeten sich 50 Kandidaten. Bald errichtete Erzbischof Adam Sapieha die erste Herz-Jesu-Pfarrei.
Dies waren die ersten Schritte zur polnischen Provinz. Als Nächstes entstand das Ausbildungshaus, das Noviziat, in Felsztyn (heute Skeliwka im Gebiet Lwiw, Ukraine). Im Zweiten Weltkrieg wurde es nach Stadniki verlegt, die Seminaristen holte man nach Krakau. Die Kleriker, darunter der spätere Kardinal Stanisław Nagy, lernten im Haus und besuchten Vorlesungen bei den Franziskanern-Reformaten. Nach dem Krieg wurde am 10. Januar 1947 die Polnische Provinz der Herz-Jesu-Priester errichtet; Provinzial wurde Pater Michał Wietecha. Sie umfasste 36 Ordensleute: 22 Priester, 12 Seminaristen und 2 Brüder. Am 14. August 1948 wurde das Noviziat offiziell nach Stadniki verlegt.
Die turbulente Zeit des Kommunismus
1954 folgte ein weiterer Umzug: Die kommunistischen Behörden lösten das Noviziatshaus in Stadniki auf, daher mussten alle nach Krakau-Płaszów umziehen. Brüder und Studenten hatten bis dahin Vorlesungen am Seminar der Franziskaner-Reformaten besucht; seit 1949 studierten sie am Priesterseminar in Tarnów und wohnten in der Rogoyskiego-Straße. Dank der veränderten Lage konnte man das Gebäude in Stadniki im Februar 1960 zurückerlangen; dort entstand ein höheres Missionsseminar.
Die Herz-Jesu-Priester heute und ihre Tätigkeit
Heute zählt die Polnische Provinz der Herz-Jesu-Priester fast 250 Ordensleute. Sie betreuen 16 Pfarreien in Polen und arbeiten in Missionen in aller Welt: in der Demokratischen Republik Kongo, der Republik Südafrika, Indonesien, Indien, Kamerun, den Philippinen, Albanien, Finnland, der Schweiz, Deutschland, Österreich, Kroatien, der Slowakei, Frankreich, Italien, den USA, der Ukraine, Belarus und Moldau. Ihre Tätigkeit ist äußerst vielfältig. Sie lehren an Hochschulen und führen nicht nur Pfarreien, Missionen und Exerzitien, sondern auch den Dehon-Verlag, die Profeto-Stiftung, die Seelsorge für Unternehmer und Arbeitgeber TALENT sowie das Familiengesundheitszentrum, in dem Seelsorge für Verlobte und Ehepaare angeboten wird. Außerdem betreiben sie das Hotel Domus Mater und das Hostel Biały Dom. Zu den bekanntesten Herz-Jesu-Priestern zählen die Bischöfe: der verstorbene Kardinal Stanisław Nagy, Bischof Józef Wróbel, Bischof von Helsinki und derzeit Weihbischof der Erzdiözese Lublin, sowie Bischof Adam Musiałek, Diözesanbischof von De Aar in Südafrika.
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